Über Krisen, KI und eine unterschätzte Region: Lothar Mayer von der Sparkasse Bodensee
Shownotes
Die Sparkasse gehört für viele Menschen zum Alltag. Konto eröffnen, Kredit beantragen, Geld anlegen. Doch was passiert eigentlich hinter den Kulissen eines modernen Kreditinstituts? Und wie steht es eigentlich um die Wirtschaft rund um den Bodensee?
In dieser Folge von Bisschen Bodensee Business spricht Andy mit Lothar Mayer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bodensee, über die aktuellen Entwicklungen im Bankenwesen, die wirtschaftliche Stärke der Bodenseeregion und die Herausforderungen einer Branche zwischen Tradition und Transformation.
Lothar Mayer erklärt, warum er die Wirtschaftskraft rund um den See für deutlich unterschätzt hält, weshalb mittelständische Unternehmen oft erfolgreicher sind als ihr Bekanntheitsgrad vermuten lässt und welche Rolle regionale Banken in einer Zeit moderner Neobanken spielen.
Außerdem geht es um künstliche Intelligenz, Deepfakes und neue Sicherheitsanforderungen im Finanzsektor. Lothar Mayer berichtet von seinem persönlichen Karriereweg, spricht offen über prägende Erfahrungen aus seiner Laufbahn und erklärt, weshalb Führung oft mehr mit Vertrauen als mit Hierarchie zu tun hat.
Eine Folge über Verantwortung, wirtschaftliche Entwicklung, moderne Führung und die Zukunft einer Branche, die sich aktuell schneller verändert als viele denken.
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00:00:00: Andy: Lothar Mayer Herzlich willkommen im Podcast. Ein bisschen Bodensee Business. Freut mich sehr, dass Sie da sind.
00:00:06: Lothar Mayer: Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich bin gerne hier.
00:00:08: Andy: Als Chef des größten Kreditinstituts der Bodenseeregion haben Sie ja einen sehr guten Einblick, was wirtschaftlich gerade passiert um den See herum. Wie ist denn Ihr Eindruck? Wie steht es denn um die Unternehmen am See?
00:00:23: Lothar Mayer: Na ja, wenn ich jetzt so in mich reinschaue ich bin eigentlich ein grundsätzlicher Optimist. Dann würde ich sagen Na ja, das ist immer hinzukriegen. Es gibt immer eine Lösung für jedes Thema. Tatsächlich ist es aber im Moment so, dass die Entwicklung schon auch gewisse Sorgenfalten auf die Stirn projiziert. Das liegt an vielen Faktoren, und das macht die Sache auch so herausfordernd. Wir haben es nicht nur mit einem Thema zu tun, das man in irgendeiner Weise gut einordnen und bewältigen könnte, sondern wir haben mit vielen Faktoren zu tun. Wir kennen das alle, ob es jetzt die Energieversorgung, die Energiepreise und vieles andere ist. Wir hören das ja tagtäglich. Aber das ist eben genau diese Mischung, die viele Unternehmer tatsächlich auch sehr strapaziert. Und da muss man dann nach meinem Empfinden vielleicht sogar ein bisschen unterscheiden zwischen den Unternehmern, die eigene Produkte haben, auch eigene Produkte entwickeln, durchaus teilweise sogar im Weltkonzert sehr weit vorne sind und auch dort mitspielen. Die haben auch eine gewisse Preissetzungsmöglichkeit, das heißt, die können auch steigende Kosten, ob es Energiekosten sind oder dergleichen, in den Preisen auch wieder entsprechend weitergeben. Andere allerdings, die in einer Produktionskette mit dabei sind, haben diese Spielräume nicht. Und die sind sehr, sehr, sehr unter Druck. Das spürt man sehr. Und es gibt auch durchaus Branchen, die für uns im Prinzip alltäglich sind, wie die Gastronomie beispielsweise, wo es einfach am Personal mangelt. Also wir haben es mit sehr, sehr vielen unterschiedlichen Themen zu tun. Ich bleibe optimistisch, aber wir haben es wirklich mit einem dicken Brett zu tun.
00:01:53: Andy: Sie sprechen ja auch regelmäßig mit den Unternehmerinnen und Unternehmern hier in der Region. Kriegen Sie dann direktes Feedback auch immer von denen?
00:02:01: Lothar Mayer: Ja, durchaus. Also die Unternehmer sind da sehr offen. Sie schildern uns ja auch ihre Situation und die Möglichkeiten, die sie haben oder auch vielleicht nicht sehen. Und weil wir ja auch immer auch Partner sind auf der finanziellen Seite, also wo gibt es Bedarfe, wo können wir auch unterstützen oder wo sind wir vielleicht auch mal Ratgeber oder können auch vielleicht Kontakte auch herstellen? Also all diese Möglichkeiten bestehen ja durchaus. Das wird viel genutzt und wird auch viel gebraucht. Das müssen wir tatsächlich so feststellen.
00:02:28: Andy: Ja, okay, wir kommen nachher noch mal ein bisschen genauer auf die Herausforderungen einzelner Branchen oder auch dem, was sie zumindest mitbekommen. Da gehen wir noch mal genauer drauf ein. Ich würde jetzt gerne ganz locker noch mit einer SchnellFragerunde starten.
00:02:42: Lothar Mayer: Ja, gerne.
00:02:43: Andy: ich stelle kurze Fragen. Sie können spontan antworten, was Ihnen gerade in den Sinn kommt. Und beim einen oder anderen hake ich vielleicht noch mal nach.
00:02:50: Lothar Mayer: Okay. Gerne.
00:02:51: Andy: Was ist Ihre Lieblingsfarbe?
00:02:55: Lothar Mayer: Orange.
00:02:56: Andy: Okay, ist schon nah an Rot. Das war natürlich so ein bisschen der. Der. Der Hintergrund. Ihr Lieblingsort am See.
00:03:05: Lothar Mayer: Am liebsten am Wasser. Am Kiesstrand.
00:03:07: Andy: Okay. Bar oder mit Karte?
00:03:12: Lothar Mayer: Bunt gemischt. Gerne. Beides. Je nach Bedarf. Oder auch nach Wunsch.
00:03:16: Andy: Okay. Haben Sie auch ein Konto bei einer anderen Bank?
00:03:21: Lothar Mayer: Nur bei einer anderen Sparkasse noch, bei der ich vor vielen Jahren mal gelernt habe. Das ist sozusagen mein Erinnerungskonto dorthin?
00:03:28: Andy: lieber Sparbuch oder Aktienfonds.
00:03:32: Lothar Mayer: Also ich persönlich neige da mehr zu den Aktien.
00:03:36: Andy: Was war Ihre beste, Was Ihre schlechteste finanzielle Entscheidung?
00:03:43: Lothar Mayer: Meine beste finanzielle Entscheidung war sicherlich, dass ich für meine Familie ein gutes Zuhause schaffen konnte. Das ist eine Investition, die nicht nur auf der Rendite Seite messbar ist, sondern einfach das Wohlergehen steigert. Die schlechteste ist wahrscheinlich die, weil Sie mich so fragen. Ich habe immer noch einen sehr guten Freund. Wir haben zusammen begonnen, die Ausbildung auch begonnen seinerzeit auch bei einer Sparkasse und hatten dort eine eine gemeinsame Depotaktivität entwickelt. Das heißt, wir haben gemeinsam auf ein Konto einbezahlt und haben von dort Wertpapiere gekauft und auch verkauft. Und nach Jahren haben wir dann einen Strich drunter gezogen, haben gesagt okay, jetzt wollen wir doch mal wissen, was ist eigentlich übrig geblieben? Und wir haben dann festgestellt, es ist leider nichts übrig geblieben. Aber das war einfach schön. Es war sehr lehrreich und hilfreich und wir haben viel Freude.
00:04:32: Andy: Auch daran hat man ja auch daraus gelernt. Dann vielleicht, dass man die Dinge nicht ganz unbeachtet irgendwo liegen lassen sollte.
00:04:38: Lothar Mayer: Und das ist halt einfach nicht nur immer in eine Richtung geht auch. Das kann man da sehr schön wahrnehmen.
00:04:43: Andy: super Geschichte. Vielen Dank für die kurzen, schnellen Antworten Dann gehen wir jetzt direkt in den Hauptteil des Podcasts. Ein bisschen Herkunft, ein bisschen Zukunft. Ich würde gerne was erfahren über die Geschichte der Sparkasse Bodensee. Auch vielleicht über ihren Werdegang und vielleicht auch, wohin sich das Bankenwesen allgemein verändert und wie sie mit der Sparkasse Bodensee da mitgehen möchten. Oder vielleicht sogar voran. Das schauen wir gleich mal! Sie haben letztes Jahr zwei hundert Jahre Sparkasse gefeiert. Erzählen Sie uns doch ein bisschen was über die Geschichte.
00:05:16: Lothar Mayer: Ja, die Geschichte der Sparkasse kann ich natürlich nicht in Gänze überblicken. Ich nehme jetzt Anteil. Das habe ich mir seinerzeit beim Jubiläum auch mal kurz angeschaut. Ich habe genau fünf Prozent der Geschichte der Sparkasse zu verantworten. Alles andere darf ich auf andere abwälzen. Nein, Spaß beiseite. Achtzehn hundert fünf und zwanzig war ja der Start der Sparkasse Bodensee bei der seinerzeitigen Oberamtssparkasse Tettnang. Und das war auch der Grund, warum wir eben Schloss in Tettnang das zwei hundert jährige Jubiläum tatsächlich auch im offiziellen Festakt gefeiert haben. Deswegen noch mal zurück an die Wurzeln, also den Ursprung der Sparkasse zurückzugehen und was im Prinzip über die vielen, vielen Jahre, Jahrhunderte, in dem Fall sogar sich natürlich entwickelt hat, ist derzeit ein Stück weit auch geschuldet oder auch zu verdanken, je nachdem. Aber am Ende bleibt immer die Frage Worauf bezieht sich ein Unternehmen wirklich? Und das sind die eigentlichen Wurzeln. Und jetzt muss man wieder auf die Idee zurückschauen, Die Idee der Gründung der Sparkasse Bodensee oder seinerzeit der Oberamtssparkasse Tettnang war es natürlich schon, der Breite in der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihre hoffentlich möglichen Ersparnisse auch sicher anlegen verwahren zu können und sie eben nicht, ich sage mal vereinfacht dem Risiko auszusetzen, dass sie halt morgen weg sind. Ich erinnere mich da auch noch an einen Besuch in einem Museum, da hieß es Wissen Sie eigentlich, woher der Begriff hohe Kante kommt? Dass also etwas auf die hohe Kante legen? Keiner wusste es. Ja, früher hatten die Leute einfach ihre Ersparnisse im Schlafzimmer auf dem Schrank oben auf den Schrank gelegt, an der Kante sozusagen entlang aufbewahrt. Das war die gute Alternative dazu. Und dann gab es natürlich auch noch Zinsen, die diese Idee der Bevölkerung und zwar unterschiedlich in ihren Bedürfnissen und auch der Vermögenssituation einfach den Zugang zu den finanziellen Möglichkeiten, die ihnen gemäß sind, zu ermöglichen, aber auch im Prinzip überhaupt die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dieser Ursprungsgedanke zieht sich durch die ganze Geschichte und ich bin der festen Überzeugung, das macht uns auch aus, dass wir einfach nicht sagen, wir schließen gewisse Gruppen, Bevölkerungsgruppen, Menschen aus unserer Tätigkeit aus, sondern wir versuchen wirklich auch für alle da zu sein, in jeder Hinsicht. Und das macht, glaube ich, eine regionale Sparkasse auch so besonders. Das hat natürlich auch am Ende seinen Ausdruck in der Gemeinwohlorientierung einer Sparkasse. Dem fühlen wir uns tatsächlich sehr verpflichtet. Auch und das leben wir auch, wenngleich wir nicht an wirtschaftlichen Notwendigkeiten vorbeischauen können, das ist auch klar.
00:07:54: Andy: Ja, jetzt ist ja die Sparkasse auch mit der Filialstruktur besonders regional verwurzelt. Was bedeutet das denn im Alltag?
00:08:07: Lothar Mayer: Ja, die Filialstruktur, Geschäftsstellen, Niederlassungen oder stationäre Präsenz, wie auch immer man dazu sagen mag, sie ist ein Ausdruck von Nähe zu den Menschen, wenngleich sie sich auch in ihrer Nutzungsstruktur dem Verhalten der Menschen anpasst. Das ist auch sehr, sehr deutlich zu festzustellen, dass einfach der Trend hin zu den zu den Online Wegen, zu den direkten Abschluss Fähigkeiten und dergleichen ein ungebremster ist. Das heißt, die Frequenz in den Geschäftsstellen verändert sich. Die Anliegen, die die Kunden dort uns präsentieren, verändern sich und insofern muss man da natürlich immer wieder den Blick darauf halten und sagen Okay, ist das jetzt noch zeitgemäß oder braucht es etwas Neues? Wir haben zum Beispiel vor acht Jahren bei uns in der Sparkasse die sogenannte Lifebox eingeführt. Was ist das? Das ist im Endeffekt, wie man so schön sagt, ein TelePräsenzsystem bedeutet Hier sitzt jemand, hier in Friedrichshafen beispielsweise und bedient einen eine Kundin, einen Kunden, die beispielsweise außerhalb der der Servicezeiten dort hinkommen, aber einen Wunsch haben, ein Anliegen haben, mit jemand persönlich sprechen zu wollen, dann ist das eine hervorragende Möglichkeit, weil sie einfach zeitlich eine ganz andere Situation schafft, als wenn man sagt Ja, wir haben dort halbtags oder tatsächlich auch vormittags und nachmittags geöffnet, aber ganz früh noch nicht und mittags auch nicht und am späten Nachmittag auch schon wieder nicht, dann überbrückt das sehr gut diese diese Möglichkeiten. Also das heißt, wir sind in einem ständigen Wandel dort, Aber wir sind uns bewusst auch darüber, dass es diese lokale Sichtbarkeit der Sparkasse unbedingt braucht, damit man erkennen kann Ja, da ist jemand. Und wenn jetzt vielleicht auch gerade die Servicezeiten nicht so sind, wie man sie sich wünscht. Ich kann auf jeden Fall jemanden erreichen und das macht uns, glaube ich, auch ein Stück weit anders. Und deswegen wird es die Sparkasse mit der lokalen Präsenz auch weiterhin geben.
00:10:04: Andy: Wie weit erstreckt sich denn das Gebiet der Sparkasse Bodensee?
00:10:08: Lothar Mayer: Ja, also wenn Sie jetzt hier auf der Nordseite des Bodensees schauen und sie gehen in den in den Osten. Dann endet unser Geschäftsgebiet praktisch an der bayerischen Grenze, zieht sich dann über die Region Tettnang, Meckenbeuren, Markdorf, natürlich Friedrichshafen und die ganzen Gemeinden Kressbronn, Langenargen, Eriskirch usw alle dazu in Richtung Überlingen und Überlingen macht es dann noch mal den Sprung nach in den Süden, sozusagen zur Perle des Sees der Stadt Konstanz. Und die gehört auch mit dazu, zu unserem Geschäftsgebiet.
00:10:41: Andy: Da sind ja vermutlich auch die Gegebenheiten an den unterschiedlichen Orten rund um den See ziemlich unterschiedlich, nehme ich an?
00:10:48: Lothar Mayer: Durchaus. Ja, das kann man so sagen. Das war auch zum Beispiel bei unserer Fusion, weil sie ja auch sagten, ja, die Geschichte der Sparkasse vielleicht so ein bisschen auch noch zu fokussieren. Vor rund fünf und zwanzig Jahren waren ja zwei sehr wesentliche Fusionen, die dann ja überhaupt erst zur Sparkasse Bodensee geführt haben, nämlich der Zusammenschluss zwischen der Kreissparkasse Friedrichshafen und Überlingen zunächst und dann auch noch zusammen mit Konstanz, dann zur Sparkasse Bodensee zu werden. Das hat schon auch für dieses Haus viel bedeutet, weil da einfach auch unterschiedliche Kulturen zusammengefunden haben. Das kann man jetzt durchaus auch etwas spaßig betrachten, wenn man sagt na ja, da trifft der Württemberger auf den Badner und auf den Konzilstädter. So habe ich das immer für mich so eingeordnet. Dann sind das schon drei Kulturen. Das kann man so sehen. Und tatsächlich ist es auch so, dass die Region, obwohl sie ja sich um den See herum erstreckt, dann so eng dann auch wieder nicht miteinander verbunden ist. Also es gibt schon regionale lokale Gegebenheiten, wo man auch feststellt, na ja, also der Konstanzer weiß jetzt nicht unbedingt, was in Tettnang gerade los ist. So würde ich es mal vorsichtig beschreiben.
00:11:55: Andy: Wir haben es gerade auf der Fahrt hierher ja schon gemerkt. Wir sind ja auch den Weg von Radolfzell hierher gefahren. Da merkt man schon direkt, wenn man langfährt, Das ändert sich ein bisschen. Was?
00:12:02: Lothar Mayer: Durchaus.
00:12:02: Andy: Ja, absolut. gibt es jetzt zwischen solchen Sparkassen auch eine Art Konkurrenz Wettbewerb.
00:12:11: Lothar Mayer: Also einen direkten Wettbewerb zwischen den Sparkassen? Sollte es vor dem Hintergrund, dass wir uns regional ausrichten, nicht wirklich geben? Natürlich darf man sich aber auch nichts vormachen. Es gibt ja auch Es gibt Bewegungsräume der Menschen. Sie wohnen da, sie arbeiten dort. Und man kennt ja auch diese Pendlerströme ein Pendeln, Auspendeln und und und. Die sind ja beträchtlich in dieser Region. Und automatisch entsteht in diesem Moment natürlich immer so ein gewisses Gemengelage. Schon das ist naturgemäß so ein aktives Sich in ein anderes Geschäftsgebiet hineinzubewegen, sollte es eigentlich nicht geben.
00:12:46: Andy: Also, eine Art positiver Wettbewerb herrscht natürlich. Aber letztendlich sind sie ja. Sparkassen sind für die Menschen in ihrem Gebiet da. Für die Unternehmen auch. Wir sind ja ein Business Podcast. jetzt würde ich aber gerne mal auf Sie noch persönlich zu sprechen kommen. Wenn Sie jetzt auf Ihren Werdegang zurückblicken gab es da irgendeinen Moment, der Ihre Karriere besonders geprägt hat? und anders gefragt Wie wird man überhaupt Vorstandsvorsitzender einer Sparkasse?
00:13:22: Lothar Mayer: Also zur ersten Frage Was hat mich geprägt? Ja, da kommt mir ganz spontan so ein Erlebnis in den Sinn. Ich hatte ja tatsächlich auch klassisch meine Ausbildung begonnen. Bei einer Sparkasse und bei dieser Sparkasse habe ich auch relativ lang verweilt in dem Sinne, dass ich ganz viele meiner Aus und Fortbildung dort absolviert habe, dort mich auch sehr schön und gut positiv entwickeln durfte und nach zehn Jahren ich dann irgendwann an dem Punkt war, wo ich mit meinem seinerzeitigen Vorstand der Sparkasse im Dialog war und ihn gefragt habe, wie er denn so Möglichkeiten in seiner Sparkasse für mich jetzt sieht und dann meinte, na ja, er würde mir gerne etwas anbieten, aber im Augenblick lässt sich das halt nicht darstellen, weil einfach die interessanten Stellen besetzt sind. Ganz einfach. Und wir waren dann so auseinandergegangen, dass ich ihm gesagt habe na ja, also ich würde mich aber schon gerne weiterentwickeln und wenn es halt auf die nächste Zeit sich nicht ergibt, dann würde ich mich auch mal umschauen, ganz vorsichtig. Das hat er wohl dann nicht so ganz ernst genommen. Offensichtlich. Aber ich habe mich dann auch umgeschaut und dann hatte ich auch eine Option, die mir zugesagt hat. Und dann ging ich wieder zu ihm und habe ihm gesagt Ich mag jetzt einfach noch mal anknüpfen an das vorherige Gespräch und daran erinnern. Ja, ich habe ja gesagt, ich würde dann und er weiß ja, dass er mir gesagt hat, es gäbe gerade nichts und dass ich mich jetzt wohl verabschieden würde. Und das hat er gar nicht lustig aufgenommen, sondern er war dann doch sehr betroffen, hat dann gemeint Ja, also das findet er jetzt gar nicht gut. Und ich habe dann im Nachgang, nachdem ich dann eben von dort gegangen bin, hat man mir dann erzählt, dass er gesagt hat, ich werde dafür sorgen, dass aus ihm nie etwas wird in dieser Organisation. Das war schon ein Nachruf. Der hat mich dann echt bewegt, muss ich ehrlich sagen. Hat mich sehr lange beschäftigt, hat mich aber auch angespornt, weil ich mir dann gesagt habe Na ja, also mal schauen, ich werde das schon hinbekommen. Und das hat wahrscheinlich in mir sogar zusätzliche Motivation ausgelöst. Ja.
00:15:22: Andy: Aber da wird.
00:15:22: Lothar Mayer: Ja auch.
00:15:23: Andy: Im Prinzip so ein bisschen klar, dass manchmal vielleicht der Ernst der Lage nicht ganz erkannt wird. Von Arbeitgebern zu Arbeitnehmern, wenn dort eine Art Wechselwille herrscht. Das frühzeitig zu erkennen und vielleicht auch gegenzusteuern, ist das etwas, was Sie bei sich jetzt ganz genau beobachten, weil Sie dieses Erlebnis hatten?
00:15:42: Lothar Mayer: Dieses Erlebnis hat mich dazu gebracht, dass ich nie, egal was auch immer es für eine Situation war, jemand, der sich entwickeln wollte, an irgendetwas gehindert habe. Es war für mich immer Gebot der Stunde zu sagen Was können wir eigentlich tun, um jemandem dabei zu helfen, sich zu entwickeln? Ob das jetzt im eigenen Unternehmen möglich ist oder nicht, das ist mal zweitrangig. Aber auf jeden Fall die Hilfestellung zu geben, weiter zu gehen. Und das hat mir geholfen und das wurde mir auch immer wieder bestätigt, dass ich da sehr aktiv mitgeholfen habe an der ein oder anderen positiven Entwicklung. Freut mich dann natürlich auch.
00:16:15: Andy: Jetzt angenommen, ich hätte jetzt den Wunsch ich möchte auch gerne Vorstandsvorsitzender einer Sparkasse werden. Was wäre Ihr Tipp? Was müsste ich tun? Welche Ausbildung müsste ich haben? Welche Qualifikationen?
00:16:25: Lothar Mayer: Ja, also da hätten sie noch einiges vor sich. Jedenfalls in Zeit. Auf jeden Fall.
00:16:29: Andy: Hätte ich früher anfangen müssen?
00:16:30: Lothar Mayer: Nicht unbedingt. Das könnte auch noch gelingen. Aber das ist schon eine. Eine? Ja. Ein Entwicklungsweg, der nicht von heute auf morgen geht. Das ist jetzt unterschiedlich. Die Möglichkeiten, dahin zu gelangen, sind vielfältig. Also, Sie können jetzt zum Beispiel sagen, ich komme vom Studium und gehe dann irgendwo in eine Sparkasse beispielsweise oder eine Bank. Ganz grundsätzlich und durchlaufe dort gewisse Bereiche. Muss natürlich spezifisch mich auch fachlich noch mitentwickeln. Also ein Allgemeinstudium an der Stelle wird sicherlich nicht reichen. Definitiv nicht. Um dann aber auch über die Zeit Nachweise zu erbringen. Die sind vorgeschrieben. Also da kommt man auch nicht drumherum, beispielsweise eben einen Nachweis zu erbringen, dass man in einer hohen Stückzahl von anspruchsvollen Krediten sich in einer in einem Sinne von von Fähigkeit bewiesen hat. Also dass man sagen kann ja, ich halte diesen Kredit für machbar, weil, weil, weil. Also um die, um die ja, ja Analysefähigkeit und natürlich auch die Bewertungsfähigkeit zu unterlegen. Es braucht Führungserfahrung beispielsweise und natürlich die Fachlichkeit als solches in vielen Bereichen wie einer Unternehmenssteuerung und solchen Dingen. Und das kann man halt einfach nicht nur herbeibeten, sondern das muss man tun und das erfordert einfach Zeit und Jahre. Ich habe den anderen Weg gewählt, in dem ich heute über ein Ausbildungsverhältnis in diesen Weg eingestiegen bin und habe dann quasi in der in der Sparkassenorganisation auch diesen Weg durchlaufen. Was kann ich sagen mit Ausbildung und all den Fortbildungen, die notwendig sind oder waren? Obwohl ich relativ schnell war, hat bei mir zwölf Jahre gedauert, um die Voraussetzungen zu haben, Vorstand überhaupt sein zu dürfen. Aber dann ist man es ja noch nicht. Dann darf man sich ja in irgendwelchen Bewerbungsverfahren dann noch beweisen, um dann auch tatsächlich den Zuschlag zu bekommen. So läuft das.
00:18:27: Andy: Also ich werde auf jeden Fall mal drüber nachdenken. Wobei ich ganz zufrieden bin mit dem, was ich gerade habe. Es war eher eine rhetorische Frage. Ja. Wie gehen Sie denn mit den zunehmenden Veränderungen im Bankenwesen um? Also jetzt gerade Stichwort Fintechs Neo Banken. Es wird ja immer sagen wir, die Prozesse werden schlanker bei solchen jungen Banken. Die Zielgruppe jünger. Die Sparkasse als eher traditionelle Institution steht da ja sehr im Kontrast dazu. Wie gehen Sie damit um?
00:19:00: Lothar Mayer: Also Sie haben ja schon auch mal gesagt, es gibt gewisse Klischees, die eine Rolle spielen, und ich will da ganz gerne anknüpfen an diesem Punkt. Natürlich wird das gerne mal unterstellt, dass vielleicht ein so langjähriges Unternehmen wie eine Sparkasse Bodensee mit zwei hundert Jahren Geschichte. Dass die vielleicht anders aufgestellt sind, sehe ich im Grunde eigentlich gar nicht so. Wenn man ein bisschen tiefer blickt, dann stellt man fest okay, wir haben jetzt als Sparkassenorganisation die Sparkassen in Deutschland, also in Summe beispielsweise seit Jahren die beste App in allen Rankings. Sparkassen App immer Nummer eins. Ja, das ist ein Ausdruck von Das können wir mindestens genauso. Die Frage ist nur Werden wir so wahrgenommen? Dort, wo wir beispielsweise jetzt dann für uns auch erkennen, da sind jetzt die die Möglichkeiten, die, die wir für uns gefühlt brauchen, noch nicht so entwickelt. Dann haben wir zum Beispiel als Sparkasse Bodensee unsere Plattform Leben am Bodensee entwickelt, eine Immobilienplattform, von der ich jetzt mal sage, ohne mir auf die Schultern zu klopfen. Ich tue es symbolisch für die Kolleginnen und Kollegen, die es getan haben. Die haben über die über die fünf Jahre etwas entwickelt, wo ich sage, ich behaupte im Moment jetzt mal, nach meinem Eindruck ist das die beste Immobilien App in Deutschland. Also das heißt, was will ich damit sagen? Wir brauchen im Prinzip immer die Sicht auf alle Kundengruppen, Das heißt, wir nehmen alle mit, die vielleicht sagen Nein, ich bin rein analog. Das braucht es eben auch. Das ist wieder der Auftrag, Sparkasse für alle da zu sein und gleichzeitig aber in der Leistungsfähigkeit ganz vorn zu sein. Wir messen uns auch mit den Sparkassen in Deutschland, beispielsweise in Sachen Digitalisierung. Wir sind dort immer in der Spitzengruppe. Das macht uns stolz, aber das hilft uns auch. Und wir wissen, da sind wir mindestens auf Augenhöhe. Wenn jetzt jemand sagt, naja, da kommt jetzt ein Neobroker oder was auch immer, dann fokussieren sich diese diese Neuen Markt Mitspieler sozusagen immer auf ein ganz enges Segment. Oftmals ist es auch so, dass viele davon wieder sehr schnell vom Markt verschwinden, weil sie durch diese Art und Weise, wie sie die Dinge angehen, einfach kein Geld verdienen können. Und ohne Geld zu verdienen, kann man auch kein Unternehmen betreiben. Das geht halt einfach nicht. Mindestens nicht auf Dauer. Und so ist es jetzt momentan mit den mit den Neo Brokern. Ein Thema, das uns beschäftigt. Das ist richtig und da haben wir auch erkannt, Ja, an dieser Stelle haben wir tatsächlich auch Handlungsbedarf, auch als Sparkassenorganisation. Da dürfen wir und müssen wir einfach mal sehen, Was haben uns jetzt andere gezeigt, wo sie einfach mit durchaus schlauen Ideen in einen Markt einsteigen und sagen Boah, das wirkt auf jeden Fall zunächst mal attraktiv. Ob sie es am Ende sind? Ich will jetzt nicht in ein in ein Wettbewerber Bashing einsteigen, aber die finden ihre Wege Preise, die wir vielleicht für Dienstleistungen verlangen, in eine andere Art und Weise zu verpacken, um es dann trotzdem zu bekommen. Nur der Kunde sieht es halt nicht so, bei uns ist es offenkundig, so sage ich jetzt mal mit mit durchaus dem Anspruch, dass das auch so, so stimmig ist. Und wenn. Wenn wir jetzt sagen. Okay, wir sehen da einen Bedarf, dann reagieren wir auch sehr schnell. Das heißt, wir nehmen da nicht für uns in Anspruch, dass wir in allen Segmenten immer, in jeder Hinsicht immer nur die Schnellsten, Besten und Schönsten sind. Das geht nicht. Wenn man ein so breites Spektrum hat, dann ist das nicht machbar. Aber wenn wir das erkennen, dann reagieren wir und antworten auch darauf. Für uns heißt das, dass wir dem Thema Wertpapiergeschäft und insbesondere solchen Selbstentscheidern, die einfach sagen Ich weiß genau, was ich will, und ich weiß, wo ich es will, bei welchem Börsenplatz und unter welchen Bedingungen und und und. Dem treten wir natürlich bei. Und Sie werden schon in ein paar Tagen feststellen, dass die Antwort der Sparkassen, insbesondere unsere, höchst überzeugend ist. Also definitiv. Und die ist mindestens auf Augenhöhe.
00:22:48: Andy: Okay, es gibt ja durchaus auch strenge Vorgaben, Richtlinien BaFin, die ein Auge drauf hat. Da wird man ja auch immer mal in den News, dass das bei dem einen oder anderen Neo Broker oder sagen wir mal jungen Banken Start up dann doch auch zu Problemen führen kann oder zumindest zu Stolpersteinen.
00:23:07: Lothar Mayer: Ja, schön, dass Sie das ansprechen. Ich wollte es so nicht in den Mund nehmen, weil ich wollte ja wie gesagt nicht die Schwächen der anderen herausstellen. Aber das ist so am Anfang gibt es vielleicht auch aufsichtsrechtlich mal so ein klein wenig auch einen Welpenschutz, aber wenn sich dann solche Strukturen mal etwas etabliert haben, dann wird auch genauso darauf geschaut wie bei uns beispielsweise. Und dann treten halt auch Schwächen ganz klar in den, in den, ins Rampenlicht. Und dann muss da eben auch nachgehalten werden.
00:23:35: Andy: Sie haben ja auch gesagt, dass Sie durchaus dann den Vergleich zu den anderen Sparkassen deutschlandweit auch immer mal haben und dadurch ein umfassendes Bild auch deutschlandweit über die wirtschaftliche Lage oder auch die finanziellen Auswirkungen bestimmter Krisen oder Umstände haben. Wie kann man sich das denn vorstellen? Trifft man sich da als Vorstand einer Sparkasse oder aller Sparkassen regelmäßig und tauscht sich aus.
00:24:04: Lothar Mayer: Also was wir regelmäßig machen, ist tatsächlich, dass wir uns auf der Ebene der der Vorstandsvorsitzenden in Baden Württemberg der Sparkassen treffen, um uns auszutauschen. Das ist eine eine moderierte Veranstaltung. Da hilft uns auch der Sparkassenverband dabei. Das sind dann Verbundpartner auch oft dabei und geben uns Einblicke oder auch Informationen über Entwicklungen usw. Und dann geht es auch immer in die Eigenverantwortung. Also ich pflege beispielsweise mehrere Kreise von Austauschrunden mit Vorstandskollegen anderer Häuser nicht nur aus der Region, sondern auch überregional, um einfach genau das zu haben, diesen Austausch auch und die Erfahrungswerte auch anderer aus anderen Blickwinkeln mit mit einbeziehen zu können. dann haben sie einfach den Vorteil, es sind Leute, die sich gegenseitig nichts vormachen. Die erzählen halt auch mal Ich habe das gemacht, aber das hat nicht so gut funktioniert. Lasst mal lieber die Finger davon, oder ich würde es heute anders machen. Und zwar wie. Und das hilft natürlich ganz enorm. Solche Austausche sind für mich Gold wert.
00:25:02: Andy: Jetzt haben wir viel Geschichte gehört, auch Herausforderungen der aktuellen Zeit. Wie sieht für Sie denn die Sparkasse Bodensee der Zukunft aus?
00:25:12: Lothar Mayer: Das ist eine hochspannende Frage. Das muss man tatsächlich so sagen. Ich glaube, weil die Entwicklungen, die wir gerade eben sehen, sind so gewaltig, dass man jetzt kein Zukunftsbild für fünf Jahre mehr zeichnen kann. Wir wissen, wie hellwach und aufmerksam wir sein müssen, was die Entwicklungen betrifft. Und zwei davon sind auch für uns enorm entscheidend. Das ist die KI, ganz klar. Und das ist natürlich auch das Thema Quantencomputing, das eine Dimension für uns neu in den Raum stellt, wo wir uns intensiv damit beschäftigen müssen, sowohl was die Chancen betrifft, aber auch was die Risiken betrifft. Und das wird unser unser gesamtes Wirtschaftssystem, aber auch unser Geschäftsmodell, das wir heute pflegen, wesentlich beeinflussen, auch stark verändern. Davon gehe ich fest aus. Und es wird mit Sicherheit ein ein ein Fortschritt in Sachen Digitalisierung geben, den wir uns heute noch gar nicht so richtig vorstellen können. Vor allem in einer Geschwindigkeit, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Wir erleben es ja auch. Wir haben beispielsweise in der in der Organisation unserer Sparkassen einen eigenen KI Piloten entwickelt. Warum haben wir das getan? Erstens mal nicht, weil. Weil wir nicht davon überzeugt sind, dass andere es auch gut können. Aber weil halt ja ein gewisses Risikopotential auch in diesen Entwicklungen steckt. Und wir haben uns vorgenommen nein, wir wollen das A, gehostet in Deutschland und B natürlich unter gewissen Voraussetzungen, so dass nicht irgendwelche schädlichen Einflüsse von außen darauf zugreifen können. Wir wollen aber uns dieses Instrument auf jeden Fall natürlich zunutze machen. Und solche Entwicklungen müssen wir, müssen wir halten. Und jetzt zu sagen na ja, öffnet euch doch und macht es wie viele andere vielleicht auch. Das wäre zu riskant. Also wir haben da immer so eine, eine nochmalige Herausforderung, weil wir arbeiten mit ganz viel eigenem Geld zwar, aber wir haben auch die Verantwortung für das Geld unserer Anleger. Und da müssen wir aufpassen, dass halt nach unserem Dafürhalten nichts passieren kann.
00:27:23: Andy: Haben Sie ein Beispiel? Auch zum Thema jetzt Quantencomputer, wo Sie sagen, das könnte eine große Herausforderung sein? Geht es da wirklich jetzt um Cybersecurity, oder? Ja.
00:27:32: Lothar Mayer: Also das wird aus unserer Sicht wahrscheinlich der wesentliche Aspekt beim Quantencomputer sein. Wir erleben ja immer wieder, dass Datenzugriffe auf alle möglichen Bereiche stattfinden, wo Daten abgezogen werden und möglicherweise heute diese noch gar nicht genutzt werden, aber irgendwo geparkt zur Verfügung stehen. Wenn dann die Entschlüsselungsmöglichkeiten von irgendwelchen Passwörtern, Kennwörtern oder wie auch immer über das Quantencomputing dann einfach andere Dimensionen erreichen, dann kann auf solche gebunkerten Bestände vielleicht nochmal zugegriffen werden. Und das darf nicht einfach übersehen werden, sage ich mal. Das ist ein Thema, das sollten wir nicht unterschätzen.
00:28:17: Andy: Thema Deepfake, vielleicht noch Identitätsklau etc..
00:28:20: Lothar Mayer: Klar, also auch das spüren wir natürlich heute schon, das verändert auch unsere Möglichkeiten. Also wenn Sie heute beispielsweise uns einen telefonischen Überweisungsauftrag erteilen wollen, dann werden Sie nicht so sehr viel Begeisterung bei uns verspüren, weil einfach die Möglichkeiten, die Stimme ja dementsprechend nachzubauen, so herausragend gut sind mittlerweile und auch das Antwortverhalten, so ja fast identitätstreu Getreu ist, dass man darauf nicht mehr setzen kann. Das heißt, wir können das einfach in dieser Form nicht mehr machen, wie es früher ganz einfach war. Da hat halt der Firmenkunde angerufen und gesagt Ich habe hier eine Rechnung, bitte überweisen Sie mal an die Firma, sowieso so und so viel Euro. Ich bin gerade auf der Baustelle oder wo auch immer. Ja, das können wir heute nicht mehr machen.
00:29:09: Andy: Dann sicherlich ja auch die Schwierigkeit, den Spagat zu halten. Also auf der einen Seite natürlich die Sicherheit zu gewährleisten, auf der anderen Seite die ich nenne es mal User Experience für die Kunden, für die Firmenkunden nicht so schlecht zu machen, dass sie irgendwann genervt sind und sagen jetzt muss ich fünfmal verifizieren oder nochmal andere Möglichkeiten der der Genehmigung durchgeben. Das ist irgendwann zu anstrengend und zu zeitaufwendig wird.
00:29:33: Lothar Mayer: Ja, ganz genau. Und deswegen sind wir jetzt beispielsweise an diesem Punkt so weit, dass wir Ihnen einen eigenen Onlinezugang für Firmenkunden zur Verfügung stellen, der permanent jetzt ausgeweitet wird in seinem Leistungsumfang und dergleichen, wo die Kunden dann im Prinzip mit eigenen Möglichkeiten auch Teilrechte zum Beispiel vergeben können. Da können Sie dann sagen, in der Buchhaltung hat die Frau Müller die Möglichkeit, die die Umsätze anzuschauen und ihn in irgendeiner Zentraldisposition hat. Der Herr Schulze hat die hat das Recht, beispielsweise Rechnungen anzuweisen bis so und so viel Euro maximal. Und das kann alles der Kunde selber managen durch seine eigenen Einstellungen. Und da sind jetzt wieder neue Möglichkeiten, um den Komfort eigentlich sogar noch zu steigern, noch zu verbessern. Aus einer Situation heraus, wo man feststellen musste na ja, die alten Wege funktionieren nicht mehr so gut.
00:30:27: Andy: Ja, ja, okay. Ich würde gern direkt auf die nächste Kategorie übergehen. Die heißt Bisschen Klartext. Hand aufs Herz, es. Wir hatten jetzt zwar schon ein bisschen drüber gesprochen, ich würde es gerne trotzdem noch mal ganz kurz aufgreifen, dieses Klischee oder Vorurteil. Das müssen Sie mir gleich beantworten. Viele sagen ja, dass Sparkassen langsam zu bürokratisch risikoscheu sind. Was antworten Sie solchen Leuten?
00:30:57: Lothar Mayer: inhaltlich glaube ich es tatsächlich nicht. Das ist aber wahrscheinlich wäre ich dann jetzt auch nicht an der richtigen Stelle, wenn ich es anders sehen würde. Ich glaube es tatsächlich nicht. Bürokratischer oder? Oder langsamer? Nein, ganz und gar nicht. Also wer jetzt? Heute beispielsweise, wenn man im Finanzierungsgeschäft sich das vorstellt. Da sind vielleicht aber auch alte Sichtweisen noch mit dabei. Wenn Sie heute den Wunsch einer einer Immobilienfinanzierung beispielsweise haben. Und das ist ein Fall, der relativ gut überschaubar ist und für sie auch gut machbar ist. Dann bekommen Sie in der Beratung sofort die Zusage. Sie können auch den Vertrag sofort unterschreiben. Also das sind Dinge, da stelle ich mir jetzt die Frage Wer kann es jetzt schneller? Also das wird im Prinzip nicht gelingen. Das heißt, das sind Klischees, die ausgeräumt werden dürfen, weil sie einfach nicht stimmen. Sie sind entweder vielleicht überholt oder es hat jemand heute noch einen älteren Kenntnisstand und bürokratisch. Das sehe ich im Grunde auch deswegen nicht, Wenn Jetzt bleibe ich wieder auf der Finanzierungsseite. Wenn wir unsere Kunden gut begleiten und betreuen, dann sind wir mit unseren Kunden in einem solch intensiven Austausch und Dialog, dass, wenn sich etwas ergibt, erstens wir frühzeitig wissen, dass der Kunde das plant, und dann können wir auch schon mit ihm gemeinsam Beratschlagen Was ist notwendig, damit es zum Punkt XY auch funktioniert? Oder aber wir sind so gut informiert, dass der Kunde sagen kann okay, ich plane das und jenes irgendwann und ich rufe euch dann zu, wenn es soweit ist, dann wissen wir es aber auch schon. Und dann sind die Zeiten einer Begleitung für ein solches Vorhaben. Die sind minimal. Kurz also daher Nein, ich sehe es ehrlich gesagt nicht. Aber ich betone noch mal wahrscheinlich werde ich an der falschen Stelle, wenn ich jetzt was anderes sagen würde.
00:32:48: Andy: Das heißt, das heißt zusammengefasst ist es eigentlich eher ein Imageproblem als ein inhaltliches Problem. Wir sind übrigens Kreativagentur, falls Sie mal eine Imagekampagne brauchen. So viel Zeit für Werbung musste jetzt noch kurz sein. Anderes Thema Wie realistisch ist aus Ihrer Sicht denn eine bargeldlose Gesellschaft?
00:33:07: Lothar Mayer: Also ich persönlich sage im Grunde das Bargeldlose hat an vielen Stellen enorme Vorteile, genau wie das Bargeld eben auch. Und daher meine ich, dass ein ein steigender Anteil des bargeldlosen Zahlungs wirtschaftsverkehr wohl zu erwarten ist, dass aber das Bargeld weiterhin seine Berechtigung behält. Und deswegen, glaube ich, wird es die gesunde Mischung am Ende sein. In welchen Anteilen es am Schluss dann wie ausgehen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Aber eine eine Berechtigung hat nach meinem Dafürhalten das Bargeld auch weiterhin.
00:33:44: Andy: jetzt heißt der Podcast ja ein bisschen Bodensee Business. Wir wollen uns um die Wirtschaft hier um den See kümmern. Wir möchten zeigen, dass hier sehr viel los ist und stellen auch die These auf, dass diese unterschätzt wird im Rest der Republik. Ist das aus Ihrer Sicht so? Wird die Bodenseeregion wirtschaftlich unterschätzt im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland vielleicht auch Ballungszentren? Oder hinken wir wirklich ein bisschen hinterher? Sie haben ja einen ganz guten Einblick.
00:34:12: Lothar Mayer: Also ich glaube, was die Leistungsfähigkeit betrifft, hinken wir in keiner Weise hinterher. Definitiv nicht. Wir haben es mit Unternehmern zu tun, die in sei es in der Raumfahrtbranche oder sonst irgendwo unterwegs sind. Das sind nicht immer nur die, die Global Champions oder das sind auch mittelständische Unternehmen, die unglaubliches Know how aufbieten, die aber nicht so bekannt sind. Sie sind deswegen nicht bekannt, weil sie ja keine Alltagsprodukte herstellen. Das heißt, sie haben im Prinzip natürlich nicht diesen diesen Weltruf, sondern sie sind in einer mehr oder minder Nische unterwegs. Was uns in der Region sicherlich gut täte, wäre eine deutlich bessere Verkehrssituation. Das glaube ich, werden Sie wahrscheinlich überall so bestätigt bekommen. Das kann Ihnen jeder beschreiben. Ich hätte wahrscheinlich auch sagen können könnte Der beliebteste Ort am Bodensee ist Hagenau, weil dort steht man am meisten und kann sich die Gegend anschauen. Also das ist halt Ausdruck unserer Verkehrslage und ich glaube, das macht schon auch etwas aus. Aber in der Tat, die Leistungsfähigkeit und die Attraktivität, das darf man nicht unterschätzen. Ein Standort hat ja auch viele Aspekte, Nicht nur wie sieht mein Arbeitsumfeld aus, sondern wie sieht auch mein Lebensumfeld aus? Und da sind wir mit Sicherheit in der Spitzengruppe überhaupt in Deutschland, in Europa, wahrscheinlich sogar weltweit. Das ist einfach herausragend hier.
00:35:30: Andy: Damit würde ich auch die Rubrik gerne abschließen. Es war ein schönes Abschlusswort dazu. Auf jeden Fall vielen Dank dazu. Ich würde jetzt zur allerletzten Rubrik kommen. Die da können Sie sich jetzt ein bisschen zurücklehnen, Die nennt sich bisschen kreativ und ist gratis. Ich habe es gerade eben schon erwähnt Wir sind Kreativagentur, Das heißt, die Chance, wenn ich Sie hier schon mal gegenübersitzen habe, will ich mir nicht entgehen lassen. Zumindest eine kurze Idee zu pitchen. Sehr gut. Da können Sie dann entweder in Ruhe drüber nachdenken oder auch spontan reagieren, wie sie, wie sie es fühlen. Als Sparkasse Bodensee haben Sie den besten Einblick in die wirtschaftliche Situation hier am See. Gleichzeitig aber auch ganz gut den Vergleich durch Vorstandsvorsitzenden, Treffen mit anderen Sparkassen, anderen Regionen, den Vergleich zu Deutschland, Baden Württemberg. Warum nicht daraus Sichtbarkeit generieren mit einer Art bisschen Bodensee Business Barometer oder Index? Heißt man zeigt. Wie steht es denn um die wirtschaftliche Situation? Muss das ja nicht direkt auf einzelne Firmen runterbrechen, sondern wie so eine Art Index, den man schafft, der die Region um den Bodensee einordnet, auch im Vergleich. Sie haben ja gerade schon gesagt, wir brauchen uns hier nicht verstecken. Rund um den Bodensee. Wir können durchaus mithalten und haben hier Wahnsinnsfaktoren. Und die lassen sich vielleicht mit bestimmten Einblicken, die sie ja haben, messen. Dann visualisieren. Vielleicht lässt sich sogar eine Extra Podcast Folge draus machen, wo man das immer wieder mal bespricht, wie die Entwicklung ist, wo man gerade steht und dadurch so eine Art Messbarkeit zu schaffen.
00:37:14: Lothar Mayer: Also klingt jetzt erst mal interessant. Kann ich, kann ich so an der Stelle sagen. Sofort gehen mir natürlich ein paar Gedanken durch den Kopf. Es gibt ja Wirtschaftsförderungseinrichtungen, zum Beispiel die des Landkreises hier. Oder es gibt jetzt auch verstärkt. Was ich jetzt dieses Jahr so intensiv wahrnehme, ist, dass viele Städte und Kommunen jetzt ja wesentliche Wirtschaftsunternehmen aus ihrem gemeindlichen Kreis heraus einladen zu Veranstaltungen, um sich auszutauschen, um vielleicht auch mal Impulse aufzunehmen und dergleichen. Und das ist schon etwas, was jetzt anscheinend neu im Werden ist oder wieder im Werden ist. Vielleicht gab es das auch schon mal, das kann alles sein, aber ich erlebe es, weil die Einladungen immer dann ankommen, wo ich mir denke ja, dass also die Kommune auch und die auch. Und die versuchen also hier etwas wieder in Gang zu setzen, offensichtlich nämlich den Dialog zu fördern. Ob es jetzt da speziell Informationen gäbe, die man da austauschen kann. Jetzt mal unabhängig von den Branchen. Das kann ich im Moment jetzt noch nicht so gut einschätzen, aber müsste man nachdenken.
00:38:21: Andy: Herzlichen Dank, Herr Maier, dass Sie mitgemacht haben, dass Sie so ehrlich, offen und frei erzählt haben, was Sie bewegt und was auch vielleicht an Vorurteile da ist, was Sie gerne widerlegen möchten. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank.
00:38:34: Lothar Mayer: Mir ebenfalls. Vielen Dank auch an Sie. Danke schön.
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